Angehörige (Partner, Kinder, Freunde, Bekannte, Nachbarn...) von Suchtkranken:

Das Blaue Kreuz, Bundes- und Landesverband Baden-Württemberg sowie der Ortsverein Freiburg sind bemüht, allen Menschen in Not zur Seite zu stehen.
Dazu gehören auch Angehörige und Freunde eines Betroffenen, die im besonderen Maß unter der Krankheit des Betroffenen leiden.
 
Süchtige Menschen sind krank, dabei handelt es sich jedoch um eine völlig andere Art von Krankheit als zum Beispiel bei einer Blinddarmentzündung, einem Beinbruch oder einer Grippe. Wer eine Sucht entwickelt, hat sich häufig bereits in vielen Bereichen seines Erlebens und Verhaltens verändert, bevor bei einer medizinischen Untersuchung auf der körperlichen Ebene krankhafte Befunde festgestellt werden können.
Das stellen am ehesten Angehörige und Freunde fest. Viele Ehepartner sagen z. B.: „Das ist nicht mehr der Mensch, den ich einmal geheiratet habe.“

Auf jeden Alkoholkranken kommen ungefähr 4-5 Angehörige, die unter den Folgen der Sucht leiden.

Was für den Suchtkranken das Suchtmittel bedeutet, ist für Angehörige der suchtkranke Partner oder die Partnerin: Irgendwann dreht sich ihr ganzes Denken, Fühlen und Handeln um den suchtkranken Menschen. Die Abhängigkeit verändert auch das Leben der Familienangehörigen, Partner und Freunde.

Abhängigkeit? Was bedeutet co-abhängig sein?


Co-Abhängigkeit
Das Verhalten von Suchtkranken trägt dazu bei, ganz bestimmte Entwicklungen bei den Menschen im Umfeld zu provozieren: Sie übernehmen häufig die Verantwortung für die abhängige Person, auch wenn diese längst schon ein erwachsener Mensch ist.
Das zunächst naheliegende und ganz normale hilfreiche Verhalten des Umfeldes bekommt zunehmend einen Sucht unterstützenden Charakter und entwickelt ein eigenes Krankheitsbild: die Co-Abhängigkeit.

Co-Abhängige sind Verbündete des Abhängigen, ohne dass ihnen das bewusst ist. Wenn sie

  • Verantwortung für den Abhängigen übernehmen,
  • ihm Aufgaben abnehmen,
  • sein Verhalten entschuldigen oder decken,
  • selbst Schuldgefühle entwickeln, weil der Angehörige trinkt,
  • ihre eigenen Gefühle unterdrücken, sie vor sich selbst nicht wahrhaben wollen und sie vor dem Abhängigen und anderen nicht zeigen oder zugeben,
  • ihren eigenen Lebensstil an die Suchtgewohnheiten des Partners anpassen,
  • die Tatsachen über die Suchtentwicklung und die Konsequenzen daraus verleugnen oder verniedlichen,
  • versuchen, den Alkoholkonsum zu kontrollieren,
  • den Eindruck gewinnen, selbst seelisch oder körperlich krank zu werden,


dann sind sie in ihrem Wohlbefinden sehr stark vom Verhalten des Abhängigen bestimmt – und sind dadurch unfrei, eben co-abhängig. Sie haben ihren eigenen unabhängigen Standpunkt verloren und brauchen nun selbst Hilfe.
Einen Selbsttest zeigt Ihnen ganz schnell auf, wie es bei Ihnen mit der Co-Abhängigkeit steht.

Suchen Sie sich Unterstützung und Beratung

Selbst wenn Sie sich nur in einem oder zwei Punkten wiederfinden, sollten Sie Unterstützung oder Beratung suchen.

Fachlich qualifizierte Unterstützung erhalten Sie in Suchtberatungsstellen. Diese sind nicht nur für die Kranken da, sondern ebenso für deren Angehörige. Die Beratung dort ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Sie brauchen weder einen Krankenschein noch eine Überweisung.

An vielen Orten gibt es Suchtselbsthilfegruppen speziell für Angehörige oder für Süchtige und Mit-Betroffene. Hier finden Sie Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und können feststellen, dass Sie mit Ihrem Problem nicht allein sind.
Wenn Sie erschöpft sind und gesundheitliche Probleme haben, können Sie auch psychotherapeutische Unterstützung bekommen.

 

 

Mit co-abhängigem Verhalten helfen Sie weder Ihrem süchtigen Angehörigen noch sich selbst!

Deshalb:
Werden Sie für sich selbst aktiv!

  • Sprechen Sie offen mit einer vertrauensvollen Person über Ihr Problem!
  • Geben Sie dem Suchtkranken die Verantwortung für sich selbst zurück! Sie sind nicht schuld an seiner Krankheit!
  • Lassen Sie los!
  • Hören Sie auf, Ihren Angehörigen verändern zu wollen!
  • Pflegen Sie Ihre eigenen Interessen!
  • Leben Sie Ihr eigenes Leben!
  • Übernehmen Sie wieder Verantwortung für Ihr Leben und Wohlergehen!
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Selbstwertgefühl wieder wächst!
  • Holen Sie sich Hilfe!


Auch der Ortsverein Freiburg bietet Hilfe an (z.B. durch Erfahrungsaustausch).
Hilfe mit einer Angehörigen-Gruppe, auch eine Form der Selbsthilfe-Gruppe.

Dort sprechen Sie im Kreise von Angehörigen, die alle mehr oder weniger mit denselben Problemen zu kämpfen haben. Die Gruppenleiter wissen, wovon Sie reden. Auch wenn Sie "professionelle Hilfe" benötigen sollten, können die geschulten Gruppenleiter Ihnen Auskunft geben.
Eine Kombination aus therapeutische Hilfe und Angehörigen-Gruppen-Arbeit kann von großem Vorteil sein.

Scheuen Sie sich bitte nicht und kommen Sie in unsere Angehörigen-Gruppe.
Sie werden nach wenigen Abenden feststellen, ob Sie sich bei uns verstanden und aufgehoben wissen. Nur so haben Sie die Chance, Ihnen selbst helfen zu können (bzw. zu lassen).

 

Weitere wichtige Informationen

"Zwischen Ohnmacht und Wut"

Hilfestellung und Tipps für Alle

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. hat eine Broschüre zusammengetragen, die für alle ein Angebot darstellt, die einem nahestehenden Menschen helfen mögchten
(alkohol, Medikamente, Tabak, illegale Drogen, süchtiges Verhalten)

 

Broschüre

In anderen Sprachen wie in englisch, russisch oder türkisch ist diese Broschüre zu finden unter:
http://www.dhs.de/informationsmaterial/broschueren-und-faltblaetter.html

 

 

 

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